Individuum est ineffabile – die vergebliche Hoffnung auf „den“ Kunden

Das Zitat ist zugegeben schon recht betagt, seine Wurzeln reichen in die Antike zurück, in die griechische Philosophie. Was es aussagen will, ist dennoch recht einfach vermittelbar, auch das kann man mit den Mitteln der Aussagenlogik erschließen, deren erster großer Lehrer Aristoteles war. Worum geht es? Eine begriffliche Bezeichnung (Baum, Kunde) bezeichnet etwas Allgemeines, der Singular steht für eine Art Kategorie. Will man nun diese Bezeichnung etwas genauer kennzeichnen, benötigt man eine Differenz, eine differentia specifica. Also Baum als Eiche, Kunde als zahlender oder zu mahnender.

Diese Differenz kann man ein Stück weit weitertreiben, aber irgendwann ist das Aussagenpotenzial erschöpft. Wir kommen nie an das Individuum als solches heran, weil wir es nicht differenzieren können, deshalb heißt es ja In-dividuum, unteilbar ist es auch un-mitteilbar.

Schauen wir uns einmal die Aussagen der Online-Marketer an, nirgends lese ich den Satz so häufig wie: müssen wir wissen, was unser Kunde genau von uns will. (Zitat aus: https://entwickler.de/online/e-business/online-marketing-karl-kratz-579800391.html) Die Googleabfrage „Was der Kunde will“ (sic!) ergibt 24300 Treffer. Aber Ignoramus et ignorabimus (noch ein Zitat!), wir wissen es nicht und werden es nicht wissen.

Denn „der“ Kunde ist schlichtweg nicht kommensurabel, wir kennen nicht seine Motivation, seine Antriebe, seinen Frust; und wer wollte schon behaupten, dass er sich selbst so gut kenne, dass er seine Handlungsmotivationen darlegen kann wie ein Anatom ein Präparat.

Selbstverständlich meinen unsere Marketer etwas anderes, nämlich was „die“ Kunden wollen. Aber nun die Frage, wie groß muss die Gruppe „der“ Kunden sein, damit ich eine halbwegs plausible Prognose über das Verhalten abgeben kann. In passiven Systemen (Roulette) gilt bei Kleinmengen das Gesetz der kleinen Zahlen, d.h. etliche Kunden werden uns durch das gespannte Auffangnetz schlüpfen. Nun sind Online-Marketer ja keine passiven Fallensteller, sondern arbeiten aktiv mit Call to action und neuropsychologischen, multisensorischen und anderen Methoden. Aber auch hier gilt, wo beginnt ein voraussagbarer Effekt der Beeinflussung, ab welcher statistischen Größe können wir eigentlich von einer gesicherten Erkenntnis sprechen? 100, 1000, 10000, haben wir überhaupt eine belastbare statistische Basis um von „den“ Kunden (Plural!) zu sprechen. Wenn statt zwei Kunden vier kaufen, ist das ein Wachstum um 100 %, statistisch aber bestenfalls kontingent zu werten. Und ab welcher Zahl können wir statistisch vertrauen? Warum schweigen die Marketer darüber? Ignoramus.

Pinterest mit # Hashtag

###Hashtags### waren bekanntlich eine Erfindung des Sozialen Kanals Twitter. In der Twittersuche konnte man über eine Keywordfunktion hinaus Tweets suchen, die den gehashten Begriff enthielten. Die Suche auf Twitter hatte so wenn man will, zwei Ebenen, eine Suche mit # (spezieller) und eine ohne (allgemeiner).

Andere Kanäle übernahmen diese Funktion. Am üppigsten kann man die Hashtags auf Instagram wuchern sehen. Beim Posten mit dem Smartphone werden mit Eingabe # und Buchstabenfolge schon Vorschläge erstellt und angezeigt, wie viele Posts unter diesen Hash fallen und wie populär er ist. Ob die Reichweite nur quantitativ bewertet werden soll bei der Verwendung von Kennzeichnungen, steht auf einem anderen Blatt.

Weitere Kanäle folgten und auch auf Facebook sah man hie und da einen Post mit der Kennzeichnung. Auch auf Pinterest gab es die Hashtags, möglicherweise eingeschleppt über Verknüpfungen mit Instagram und Twitter. Aber dort fristeten sie ein freudloses Dasein, da sie einfach keine Funktion hatten; außer dass sie die User, die wenig in Social Media Marketing bewandert waren, verwirrten.

Nun aber treten auch auf Pinterest die Hashtags in Kraft. Im Prinzip sind sie hier nun auch nichts anderes, als Links auf Pins, die mit einem entsprechenden Keyword ausgezeichnet wurden. Die Liste der Ergebnisse wird nun chronologisch ausgegeben. Und wie bei Instagram erhält man auf Instagram auch automatisch generierte Vorschläge für das Setzen von Hashtags.

Laut Pinterest ist es übrigens sinnlos, alte Pins mit # zu versehen, da die Funktion erst mit Publizieren neuer Pins verfügbar ist. Weitere Infos auf den Hilfeseiten von Pinterest.

Willkommen zum Internet-Blog von Cofima

Wir starten heute unseren neuen Internet-Blog. Selbstverständlich schreiben wir hier über Themen rund ums Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung, Webanalyse, Content- und Social Media Marketing. Aber solche Themen erwartet man wohl in eine Blog eines Beraters für Online-Marketing. Es wird auch andere Themen geben die sich kritisch mit dem Internet auseinandersetzen, Entwicklungen im Web nachzeichnen und andere – kritische – Stimmen zitieren und rezensieren. Viel Spaß beim Lesen.

Der erste Beitrag ist gleich einem kritischen Thema gewidmet: Black-Hat Linkbuilding.