Rhetorische Anarchien – zu Beilharz‘ kritischem Post auf Instagram

Felix Beilharz’ Statement zu diesem Vergleich auf Instagram: Berühmt sein bei Instagram ist genau wie reich sein bei Monopoly

“Ganz ehrlich: Der Satz kann nur von irgendeinem #boomer stammen, der keine Ahnung von Social Media hat und irgendwie latent neidisch und verständnislos auf die jungen Leute und das „Neuland“ guckt, ohne auch nur im Ansatz zu verstehen, was da abgeht…

Natürlich ist es mit Bekanntheit allein nicht getan. Ein bisschen Geschäftssinn und Marketing-Skills braucht es dann schon, um aus der Berühmtheit auch Kapital zu schlagen. Aber dann kann die vermeintlich wertlose Berühmtheit unglaublich wertvoll werden.”

Quelle: https://www.instagram.com/p/CQ_NHtXqxWY/

Beilharz geht bei dem kritisierten Spruch von einem total missglückten Vergleich aus. Betrachten wir den Fall einmal näher. Gewiss hat er Recht: Vor dem Erfolg als Influencer liegt Arbeit, konsequentes Verfolgen von Zielen, gutes Gespür für Marketing und Selbstmarketing und ein wenig Glück. Von daher ist Erfolg im Monopoly (abhängig von den Zufallszahlen, die mein Würfel anzeigt) doch nicht vergleichbar mit dem Erfolg eines/einer Influencers*in.

Die unendlichen Rhetorikwelten des Vergleichs

Ein Vergleich bringt zwei Themen, Ausdrücke, Schemata zusammen und setzt sie unter einem bestimmten Gesichtspunkt gleich. Dabei geht es nicht zu wie im Sinne einer logischen Identität. Vielmehr gleichen sich die beiden Bilder nur im Hinblick auf einen bestimmten Aspekt – oder sollen sich gleichen. Das Scharnier, das beide Bilder verbindet, ist das tertium comparationis. Dieses überträgt quasi eine bestimmte Vorstellung, ein semantisches Schema, von einem Bild ins andere.

Wenn der Transfer dabei nicht überzeugt, spricht man von einem schiefen oder missglückten Vergleich. Solche Vergleiche entstehen häufig in Fällen, in denen jemand gezwungen originell sein möchte. Das trifft u.a. auf Menschen zu, die in sozialen Medien unter Produktionszwang stehen. Oder  bei Politikern eines bestimmten Schlages.

Beginnen wir bei der Interpretation durch Felix Beilharz, was ist sein tertium comparationis? Nun, ganz eindeutig die pekuniäre Wertschöpfung. Bekanntlich kann man sich von Monopolygeld keine reale Ware kaufen, es ist Spielgeld, außerhalb seines kleinen Geltungsbereichs also wertlos. Dagegen sind die Einnahmen erfolgreicher Influencer real wertig und teilweise auch sehr ansehnlich.

Die Anarchie der Semiose

Möglicherweise hatte der “Schöpfer” dieses Spruches aber etwas anderes im Sinne. Wo könnte also sein tertium comprarationis liegen? Nehmen wir noch einmal den Ausgangspunkt von Monopoly: wer Glück (Erfolg) hat, rafft mit Mieten und Immobilien eine Summe an Spielgeld zusammen und treibt andere in den virtuellen Ruin.

Aber Ausbeutung passt nicht als Vergleichsmoment; denn Influencer mögen zwar für ihr Verhalten in die Kritik geraten, aber, oberflächlich gesehen, schädigen sie niemanden, indem sie ihn in den Ruin treiben (ob der Grad der Einflussnahme hinsichtlich des Nutzens der beworbenen Produkte angemessen ist, lasse ich hier einmal offen).

Wie könnte der Brückenschlag von Monopoly zu den Influencern anders interpretiert werden? Bewegen wir uns in der Strukturebene des Vergleichens noch einmal eine Ebene höher: Monopoly ist ein Spiel um Geld, um Spielgeld, das innerhalb des Spieles und seines Regelbereiches einen Wert hat. Auch das Spiel der Influencer bringt (viel) Geld ein; und auch sie sind in einem Spiel, das sie z.T. bewundernswert leicht und gekonnt spielen, indem sie sich den Regeln ihres Spieles (und der sozialen Medien) unterwerfen und z.T. auch ihre Regeln dort diktieren. Ihr Spiel erzeugt einen “Schein”, der die Arbeit und die Spielbedingungen dahinter verbirgt. Influencer zeigen kleine Ausschnitte einer im höchsten Grad idealisierten Welt.

Welches wäre das tertium comparationis in diesem Falle? Eine täuschende / lügnerische Diskrepanz zwischen dem Zeichen und seiner vorgespiegelten Wertigkeit. Dann wäre das tertium comparationis die semiotische Diskrepanz zwischen Signifikans (Monopoly-Geld/gesponserter Post) – Signifikat (Spielwert/vorgestellte Szene) – Interpretant (außerhalb des Spiels wertlos/ verführerische Schweinwelt).

Mit geht es hier nicht darum, für eine der Lesarten zu votieren. Vielmehr möchte ich zeigen, wie gerade solche kontextlosen Plakat-Sprüche in sozialen Medien zu bestimmten Schlussfolgerungen verleiten können. Oder verführen sollen. Zum Verschwörungsmythos ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Rezension: Niklas Hartmanns Buch „Erfolgreich Influencer werden“

Niklas Hartmann hat ein 300-seitiges Buch vorgelegt: Erfolgreich Influencer werden. Vom Titel her dürften alle, die mit social Media etwas vertraut sind, schon wissen, worum es im Ganzen geht: Wie werde ich auf sozialen Medien Influencer, d.h. so bekannt, dass mir Tausende echte Profile auf meinem eigenen Auftritt folgen. Es geht also um Influencer Marketing im Sinne des Selbstmarketing: Wie werde ich XYZ zur bekannten Marke?

Damit wäre die Zielgruppe dieses Buches fokussiert: (meist) junge Menschen, die in sozialen Medien zu Unternehmern:innen in eigener Sache werden wollen und ihre Anhängerschaft (Zahl der Follower) in den Bereich des Influencertums heben wollen. Aber damit wäre die Zielgruppe zu eng gefasst; denn das Buch ist auch für alle eine Bereicherung, die sich tagtäglich im Social Media Marketing um mehr Sichtbarkeit für ihr Unternehmen bemühen. Klar ist doch: Die Methoden, mit denen Influencer ihre Sichtbarkeit gewinnen und erhöhen, sind in vielen Fällen auch für klassische Unternehmen nützlich. Und auch Marketingverantwortliche in Unternehmen, die auf Influencer-Marketing setzen oder Kooperationen mit Influencer in Betracht ziehen, lernen hier sozusagen die Perspektive der “Gegenseite” kennen.

Influencertypen und die 9 Aktionsebenen

Das Buch ist in 9 Aktionsebenen unterteilt. So kann der/die Leser:in Schritt für Schritt den Weg verfolgen: Ziele definieren – Medien wählen – Markenstimme definieren – Risikobewusstsein schärfen – ansprechende Inhalte entwickeln – Beziehung zu Abonnenten unterhalten – Reichweite auf dem Erreichten weiter ausbauen – Geld verdienen – den Sprung in andere Medien wagen. Die zahlreichen Beispiele und Zitate von Influencer:innen stammen fast alle aus Instagram. Das ist auch kein Wunder, da gerade Instagram ja der Influencer-Kanal schlechthin ist.

Niklas arbeitet, der besseren Übersichtlichkeit halber, häufig mit Listen; sie gewähren eine gut strukturierte Lektüre. Z.B. zählt er auf S.28 neun Influencertypen auf, mit deren Rollenverständnis sich angehende Influencer:innen identifizieren können. Manchmal ist die Abgrenzung fragwürdig, z.B. verschwimmt bei mir der Unterschied zwischen Experte und Erklärer – aber die aufgebaute Struktur ist hilfreich und anschaulich.

So ist jede Aktionsebene wieder in sich strukturiert und bietet außerdem zahlreiche Tipps. Zum Beispiel Aktionsebene 5: Erstelle spannende und reichweitenstarke Inhalte: Hier sind die 14 Tipps für Beitragsinhalte – Strategien würde ich sie nicht nennen – ebenfalls sehr hilfreich (S.138 ff). Die Hinweise für Fotografien und Videoerstellung richten sich sicher nicht an Profifotografen, für Unerfahrene sind sie sicher nicht fehl am Platz. Vermisst habe ich Tipps zum Texten und speziell auch die Hilfestellung beim Formulieren von Begleittexten und Eigenkommentaren auf Instagram. Hier zeichnet sich ja derzeit ein Trend zu längeren Textpassagen ab. Dagegen finden sich viele Hinweise zur Anwendung von Hashtags (S.123, 136ff, S.285)

Für angehende Influencer:innen sicher auch sehr nützlich ist die Aktionsebene 8 zum Thema Geld verdienen. (S.203 ff) Wie finde ich Kooperationspartner, was kann ich von anderen Influencern hier lernen, worauf muss ich bei Wahl der Partner und bei Verhandlungen achten? Und last but not least bieten die im Schlusskapitel vorgestellten 17 Influencerprofile viel Anschauungsmaterial.

Die Besprechung könnte angesichts der Fülle des Stoffes leicht auf den Umfang eines mittleren Whitepapers anwachsen. Daher schließe ich hier mit einem ersten Fazit: Ich kann das Buch zur Lektüre sehr empfehlen. Und das nicht nur für Menschen, die von einer digitalen Karriere träumen, sondern auch für Marketingverantwortliche, die Social Media einmal aus einer anderen und ggf. ungewohnten Perspektive betrachten wollen.

Zum Abschluss will ich einige kritische Hinweise geben, die Niklas vielleicht in einer neuen Auflage berücksichtigen kann. Ein Buch eilt der aktuellen Entwicklung zwangsläufig durch seinen Lektorats- und Herstellungsprozess hinterher. Deshalb ist es auch gut, dass Niklas immer das Datum des Infostands angibt. Anderes gibt es aber leider nicht mehr oder wurde ersetzt, wie z.B. die Facebook Audience Insights (S.55). Veraltete Inhalte sind in analogen Büchern kaum zu vermeiden.

Zur eigentlichen Kritik: Das Buch enthält eine Fülle an Anregungen, Tipps und Hinweisen. Den Willen zur Struktur hatte ich schon betont. Dennoch kommen häufiger Wiederholungen vor, die etwas ermüden. Zielgruppengerecht veröffentlichen ja, aber es ist m.E. nicht nötig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Modeinteressierte sich ggf. wenig für KI oder Gaming interessieren. Auch die verstreuten Hinweise (z.B. Instagram TV S.72) wären in einem Glossar übersichtlicher versammelt.

Verwandte Themen stehen in manchen Fällen weit auseinander, so werden Bezüge oft nicht genug deutlich. Wie z.B. das Thema “In Erinnerung bleiben: Finde Deine unverwechselbare Stimme” (S.86) hängt sicherlich eng mit der Beziehungsarbeit und Reaktionen auf Follower-Input zusammen (S.157ff) – ein engerer thematischer Bezug wäre hier für die Lektüre sicher hilfreich.

Beim Titel hätte ich mir „Erfolgreich Influencer:in werden“ gewünscht. Ein kurzer Hinweis am Buchanfang, auf weitere Genderisierung wegen der besseren Lesbarkeit zu verzichten, hätte dann gereicht.

Der mühevolle Aufstieg zum erfolgreichen Influencer

Niklas verschweigt auch nicht, dass der Weg zum erfolgreichen Influencer steinig und mühevoll ist, von Kritik und Hassausbrüchen begleitet sein kann. Auch dem Thema Verantwortung gegenüber Followern (S.252 ff) widmet er ein Unterkapitel. Allerdings geht die Verantwortung innerhalb einer komplexen und verletzlichen Welt über den Kreis hinaus weiter, den er zieht. Welche Konsequenz Nachahmung durch Follower haben kann, sollte auch zur Sprache kommen, wie z.B. die Sperrung des Gumpen am Königsbachfall wegen Zerstörung des sensiblen ökologischen Systems. Zuletzt: Zitiert werden mehr oder weniger erfolgreiche Influencer:innen, die auf Instagram und z.T. auf TikTok 50.000 und mehr Follower haben. Hier sollten allerdings m.E. auch Fälle erwähnt werden von Influencer:innen, die der zunehmenden Last ihres digitalen Unternehmertums entflohen – Beispiel: Sophia Thiel. So würde das Buch noch mehr die ganze, nicht immer heile, Welt des Influencertums darstellen.

Ich verweise hier gerne auch auf einen Blogbeitrag von Niklas: https://reach-on.de/influencer-werden/

Wie #Fake entsteht und wohin er führen kann – Felix Beilharz‘ Buch #Fake

Beilharz, Felix. #FAKE: Wie du gefährliche Lügen, Abzocke und Gefahren im Internet erkennst, durchschaust und meidest (German Edition) . Felix Beilharz. Kindle-Version.

Fake-überschwemmt-Internet

Das Buch #Fake von Felix Beilharz sollte man zur demokratischen Pflichtlektüre erklären. Fake gab es schon immer, das Vortäuschen falscher Tatsachen gehörte zur Diplomatie, zur Manipulation von Versammlungen und Parlamenten. Verschwörungsmythen begannen schon mit der Fähigkeit des Menschen zu kommunizieren. Täuschung und Lüge bekamen aber spätestens 2016 eine neue Qualität, als der schwere Verdacht aufkam, dass die Präsidentschaftswahlen mit massiven digital gesteuerten Datenströmen manipuliert wurden. Internet und soziale Medien fungieren hier als Brandbeschleuniger.

Beilharz’ Buch warnt: Fake ist alles andere als harmlos, vielmehr werden Fakes bewusst eingesetzt, um den common sense humaner Gesellschaften zu zerstören. “Es reicht, dass wir die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit grundsätzlicher Prozesse und Abläufe zumindest mal prinzipiell in Frage stellen. Die wenigsten gehen auf die Straße und rufen „Lügenpresse“ oder „Die Wahlen sind manipuliert“ oder stürmen gar den Reichstag, um sich „ihr Parlament zurückzuholen“. Aber das schleichende Gefühl, dass da vielleicht doch etwas dran sein könne, dass das ja nicht alles nur erfunden sein könne oder dass ein wahrer Kern ja den meisten Geschichten innewohne, DAS ist die große Gefahr hier.” (Pos. 339, Kindle)

In dieser Situation einer hochgradigen Verunsicherung gibt nun das Buch einen Leitfaden an die Hand: mit gesundem Menschenverstand und etwas technischem Wissen Fakes zu erkennen und gesellschaftlichen wie persönlichen Schaden zu verringern.

Was für Fake empfänglich macht

Empfänglichkeit für Fakes liegt begründet in Oberflächlichkeit der User. An dem Punkt sollte man präzisieren: es ist wohl eher die Atemlosigkeit, mit der wie durch die endlosen Gänge des Internet und der sozialen Medien hecheln, die uns keine Zeit mehr zur Reflexion lässt. Entschleunigung und Internet-Diät wären angesagt. “Unsere Oberflächlichkeit ist kein neues Phänomen. Bereits 2016 kam eine Studie der Columbia University zu der Erkenntnis, dass 59 % der Links, die über Twitter geteilt werden, keinen einzigen Klick erzielen – auch nicht vom Absender selbst.10 Das heißt, dass sechs von zehn Personen Links weiterleiten, ohne sie überhaupt selbst gelesen zu haben.” (Pos. 369)

Kein Bereich im Internet ist vor Fake sicher

Beilharz führt uns durch bekannte und unbekannte Fälle der betrügerischen Internet- Machenschaften. Er beschreibt genau und anhand zahlreicher Screenshots, wie Menschen täuschende Szenarien aufbauen, um von Nichtsahnende Geld oder ihre Account-Daten zu bekommen. Oder die gezielt mit Fake-News oder Falschmeldungen, gefälschten Szenebildern und tatsachenverdrehungen andere für ihre Verschwörungsideologien zu gewinnen.

Das Buch ist in mehrere große Kapitel eingeteilt, je nachdem, in welchen Sektoren des Internet Betrüger aktiv sind. Beilharz schildert die Verbreitung von Verschwörungstheorien (und anhand welcher Unstimmigkeiten man sie erkennen kann), wie man gehackte Amazonkonten erkennt, mit welchen Tricks sich Betrüger in soziale Profile hacken, wie Fake-Online-shops Gutgläubigen ihr geld stehlen. Oder wie Bots oder IKM Schreiberinnen Liebesgeflüster simulieren (bis hin zur Bitte, einen bestimmten Geldbetrag zu schicken, dass man die Reise für das erste Rendezvous bezahlen kann, das allerdings nie statt finden wird).

Was die Lektüre des Buches so spannend macht: immer wieder wechseln allgemeine Betrachtungen mit der Beschreibung ganz konkreter Fälle von Fake. So z.B. wie Bilder in anderen Kontext gestellt wurden und als “Beweis” dienen sollten; oder wie Falschmeldungen im Verbreitungsprozess zu weiteren Fakes mutierten. Und gerade diese Beispiele zeigen sehr deutlich, wie schnell Zeichen und Botschaften manipulativ missbraucht werden können.

Deep Fakes – der totale Realitätsverlust

Der Schluss des Fake-Reigens gilt den deep fakes, die jedes beliebige Individuum in jede beliebige Videoszene projizieren. Ki-basierte Video-Software verwandelt unsere Medien in eine unwahrscheinlich realitätsnahe Matrix.

Beilharz schließt mit dem Appell, dass sich Eltern, Schulen, Politiker und Portalbetreiber ihrer Verantwortung für die Medienwirkung des Internet besser bewusst werden.

Fake und Semiotik

Was mir einzig an diesem Buch fehlte, war eine kurze zeichentheoretisch oder semiotische Reflexion. Denn die Fähigkeit zum Fake liegt tief in Wesen der Kommunikation selbst begründet. Letztlich kommunizieren wir mit Hilfe von Zeichen, die für etwas, für unsere Botschaft stehen. Und dieses “für etwas” ist leider das prinzipielle Einfallstor auch für Täuschung und Betrug. Oder wie der Altmeister der Semiotik Umberto Eco meinte: Ein Zeichen ist alles, was sich als signifizierender Vertreter für etwas anderes auffassen lässt. Dieses andere muss nicht unbedingt existieren … Also ist die Semiotik im Grunde die Disziplin, die alles untersucht, was man zum Lügen verwenden kann.”(Semiotik, Entwurf einer Theorie der Zeichen, München, S.269.

Besuch von Facebook, Pinterest etc.

Zwei Beiträge beschäftigen sich mit der Analyse von Besuchern, die (hoffentlich) über soziale Kanäle auf die Website kommen. Dort nimmt sie die Webanalyse in Empfang. Wie kann ich die Qualität der Daten steigern und was lese ich aus den Daten heraus?

Unternehmen engagieren sich in verschiedenen Social Media Kanälen. Sie treibt die Hoffnung auf mehr Sichtbarkeit, mehr Besucher der Website und last but not least mehr Umsätze oder Leads. Facebook, Twitter und Pinterest sind auch deshalb so beliebt, weil diese Portale direkte Verlinkung mit Landingpages erlauben. (Instagram nur mit verifizierten Account und mehr als 10k Followern).

Nun wollen wir doch wissen, woher die Besuche kommen und was sie so auf der Zielseite machen. dafür gibt es die Webanalysetools von Google und Matomo. Allerdings sind die Akqusitionsreports nicht unbedingt aussagekräftig. Über welchen Facebookpost kam denn der Besuch? Welcher Pin war Auslöser? Die Webanalyse verrät zwar den Referrer. Und weil sie es gelernt hat, werden die Referrer auch den Sozialen Medien zugeschlagen. So landen die Besuche im Acquisitionsbereich Soziale Medien. Allerdings alle im jeweiligen Facebook-, Twitter-, Pinterest- usw. -topf.

Anhand der Landingpage oder Zielseite kann man ggf. noch rückschließen, welcher Post hier Vermittler war. Aber richtig praktisch ist das nicht. Abhilfe schaffen hier getaggte Links, die bei Google oder Matomo den Ziellink in einen Kampagnenlink transformieren.

Ich habe erst vor kurzem einen Beitrag über das Taggen von Kampagnenlinks geschrieben. Nun wirken getaggte Links abschreckend, ja doppelt abschreckend. Einmal sind sie je nach Zahl der Tags recht lang. Zum anderen wirken sie “technisch” – das könnte den einen anderen misstrauisch machen und davon abhalten, darauf zu klicken. In dem Falle hilft es, den URL Shortener z.B. von Bitly einzusetzen und den kompletten Kampagnenlink zu kürzen.

Da Bitly den Kurzlink weiterleitet, bleiben die Kampagnentags erhalten und werden in der Webanalyse wiedergegeben. So wird aus diesem Bandwurmlink:

Matomo Tag Manager Schulung (Einführung)

dieser recht überschaubare Shortlink: https://bit.ly/3azd76k

Web-Stories mit WordPress Plugin von Google

Google veröffentlichte im Laufe des Jahres ein WordPress-Plugin zur Erstellung von Web-Stories. Das Content-Format ist genugsam bekannt von Instagram und Facebook her, andere Social Media zogen nach.
Web Stories bauen auf AMP auf (Accelarated Mobile Pages) Das Format wird schon seit längerem von Google für mobilen Content favorisiert. Einfacheres HTML erlaubt z.B. schnellere Ladezeiten, AMP Inhalte sind aber auch für Google als Suchmaschine relevant. Im Umkehrschluss kann ich mit WebStories gute Positionen bei Google erreichen und meine Sichtbarkeit im Web steigern.

Was bieten Web Stories in WordPress?

Die Web Stories in WordPress erinnern in der Gestaltung sehr an die Stories in Instagram. Selbstverständlich ist auch hier die Visualität betont, Bilder, Videos und Formen spielen hier die entscheidende Rolle.

  • Mit Web Stories können ansprechende visuelle Inhalte im Nu erstellt werden.
  • Im Dashboard stehen alle Elemente und Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung – Bild- und Videoupload, vorgefertigte Templates und Zugriff auf die WP-Medienbibliothek, Text- und Formeneditor.
  • Der Texteditor bietet eine große Wahl von Schrifttypen, Schrift- und Hintergrundfarben können beliebig gewählt werden.
  • Web Stories erhalten einen eigenen Link und können darüber in Suchmaschinen gefunden und von Besuchern geteilt werden
  • Ich kann in Web Stories Links einfügen z.B. Produktlinks oder auch Affiliate-Links. So kann ich meine Stories sogar monetarisieren. Jedes Story-Element kann einen eigenen Link erhalten.
  • In den Einstellungen kann ich ein eigenes Logo integrieren sowie den Google Analytics Code implementieren (Achtung wegen Datenschutzverordnung, sicherer ist hier, Google Analytics ohne Cookies zu verwenden.)

Im Unterschied zu Stories auf Instagram, die nach 24 Stunden verschwinden (wenn sie nicht in den Highlights verewigt werden), bleiben Stories in WordPress dauerhaft erhalten.
Achtung: Stories können anscheinend nur im Gutenberg-Editor editiert werden. Sobald das Plugin installiert und aktiviert ist, erhält der Editor ein neues Inhaltselement.


Hier nun eine Beispielstory, die verschiedene Gestaltungsmöglichlichkeiten demonstriert. Weshalb das Video in der dritten Story manchmal abgespielt wird und manchmal nicht, liegt möglicherweise an der aktuellen Version.

Ideen und Inspirationen bei Pinterest – Instant

Ideen und Inspirationen in jedem Moment mit Pinterest finden – eine neue Funktion macht es möglich.

Pinterest hat eine neue Funktion eingeführt – Pinterest Lens. Ähnlich wie bei Instagram, das man eigentlich auch nur gut über das Smartphone verwalten kann, funktioniert Lens nur mit dem Smartphone.Weshalb erkläre ich gleich. Es kann auch sein, dass Du die Funktion gar nicht findest, dann solltest Du zunächst die aktuelle App von Pinterest herunterladen und installieren.

Nach der Aktualisierung erscheint nun oben im Suchbalken zusätzlich ein kleines Icon, das eine Kamera zeigt. Jetzt dürfte es schon klar sein, weshalb nur Tablets und Smartphones die neue Funktion ausführen können.

WPinterest Lens Aufnahmeenn Du das Icon antippst, wird die Kamera gestartet und Du kannst ein Bild aufnehmen. In dem Moment sucht Pinterest passende Bilder zum Inhalt Deiner Aufnahme und schlägt sosituativ eine inspirative Brücke zwischen Deinem Moment und der Bilderwelt Pinterests.

Hier ein Beispiel aus einer Situation heraus – ein Restaurant im Nyhavn von Kopenhagen servierte Grimbergen. Nach Aktivierung der Lenskamera sieht das Aufnahmebild so aus: ein Kreis, der das Wesentliche, den Bild-Ausschnitt, kreisrund abhebt.

 

Sobald Du den Auslöser drückst (den Kreis mit der weißen Kreislinie), beginnt Pinterest nach ähnlichen Bildern zu suchen – wobei sich mir noch entzieht, welche Algorithmen bei der Bilderkennung und Bildähnlichkeit eine Rolle spielen. Das Ergebnis sieht dann etwa so aus:

Sollte der Algorithmus (sicher ein lernendes System) mit der Zeit sicherer werden, lassen sich interessante Suchen durchführen – nach Markendesigns, Produkten usw. ggf. auch nach Gesichtern – hm, wie sieht es hier mit dem Datenschutz aus?